SERI hat sich in den letzten Jahren intensiv mit den ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten verschiedener Szenarien für eine nachhaltige Entwicklung auseinander gesetzt und dabei die zu erwartenden Auswirkungen auf Wirtschaftswachstum, Arbeitsplätze, Ressourcenverbrauch und Klimawandel verschiedener Strategien berechnet.

Die daraus gewonnenen Erkenntnisse werden in unseren neuen Projekte eingesetzt, um weiterhin Antworten auf wichtige nachhaltigkeits- und wirtschaftspolitische Fragestellungen liefern zu können.

Aktivitäten für ein nachhaltiges Europa:

Wirtschaftliche Konsequenzen eines europaweiten Atomausstiegs

Dreieinhalb Jahre lang haben wir mit dem europäischen POLFREE-Konsortium unter der Leitung von Paul Ekins vom University College London (UCL) mit Partnern aus den Niederlanden, Deutschland und Österreich an dem Projekt vier Szenarien für die wirtschaftliche, soziale und ökologische Entwicklung bis 2050 erarbeitet und berechnet. Mehr dazu unter polfree.seri.at

Für die oberösterreichische Landesregierung entwickeln wir aufbauend auf POLFREE ein Szenario für einen europaweiten Ausstieg aus der Atomenergie, um daraus vor allem die wirtschaftlichen Konsequenzen in den EU-Ländern heraus zu arbeiten.

Gegenstand des neuen Projekts ist es vor diesem Hintergrund, ein Szenario „Europe goes ahead without nuclear“ zu entwickeln und die Wirkungen auf Wirtschaft und Umwelt unter Berücksichtigung aller ausgelösten direkten, indirekten und Rebound-Effekte auf Grundlage des in POLFREE entwickelten Analyserahmens mit dem Modell GINFORS zu quantifizieren. Dieses Szenario beleuchtet die Konsequenzen der Annahme eines kompletten Ausstiegs Europas aus der Atomenergie bis 2050 im Vergleich zu einem „Business as Usual“, das weiterhin auf Atomenergie setzt.

Aktivitäten für ein nachhaltiges Österreich:

POLFREE Österreich

In einem neuen Projekt für das österreichische Ministerium für ein Lebenswertes Österreich werden die Ergebnisse aus dem bereits angesprochenen EU-Projekt POLFREE für Österreich aggregiert und nach Wirtschaftsbereichen  (im Vergleich zur gesamten EU und der Welt) aufbereitet und in einem Workshop im Rahmen der Initiative „Wachstum im Wandel“ vorgestellt.

Mehr zum Projekt hier.

Projekt MeetPASS

Lange angekündigt haben wir nun endlich damit begonnen, das Modell e3.at zu aktualisieren und zunächst in zwei Projekten anzuwenden, um so eigene Szenarien für ein nachhaltiges Österreich zu quantifizieren:

Gefördert vom österreichischen Klimafonds entwickelt SERI einen konkreten Entwicklungspfad (global und für Österreich), wie das 2015 in Paris beschlossene 1,5-Grad Ziel zur Eindämmung des gefährlichen Klimawandels zu erreichen ist und wie sich das auf das Erreichen der anderen UN-Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals – SDGs) auswirkt.

MeetPASS untersucht, welche Auswirkungen sich ergeben, wenn Österreich politische Maßnahmen einführt, um seinen Beitrag zur Erreichung des im Pariser Abkommen festgeschriebenen Ziels zu leisten. Dazu wird ein COP21-Szenario entwickelt, das eben solche politische Maßnahmen umfasst, die einen Übergang zu einer kohlenstoffarmen Gesellschaft unterstützen.

Dieses Szenario wird zunächst mit dem Weltmodell GINFORS der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) in Osnabrück quantifiziert, um die globalen Auswirkungen aufzuzeigen und sicherzustellen, dass das 1,5° C Ziel erreicht wird. Im nächsten Schritt werden die Maßnahmen auf Österreich übertragen und mit dem von der GWS entwickelten Modell e3.at detaillierter untersucht.

Modellierung defizitfinanzierter Maßnahmen expansiver Wirtschaftspolitik

Die Arbeiterkammer hat SERI und GWS beauftragt, die makroökonomischen Effekte defizitfinanzierter Maßnahmen expansiver Wirtschaftspolitik mit Hilfe des Modells e3.at zu berechnen. In Absprache mit dem Auftraggeber werden die folgenden Maßnahmen untersucht:

  • Erhöhung der öffentlichen Ausrüstungsinvestitionen um 1 Mrd. Euro
  • Erhöhung der öffentlichen Bauinvestitionen um 1 Mrd. Euro
  • Senkung der Einkommensteuer um 1 Mrd. Euro
  • Senkung der ArbeitnehmerInnenbeiträge und der ArbeitgeberInnen-beiträge zur SV um jeweils 1 Mrd. Euro
  • Senkung der Verbrauchssteuern um 1 Mrd. Euro
  • Erhöhung der Sozialtransfers um 1 Mrd. Euro
  • Erhöhung der öffentlichen Beschäftigung um (äquivalent) 1 Mrd. Euro.

Für diese Maßnahmen werden die kurz- und mittelfristigen makroökonomische Effekte für die Indikatoren

  • BIP mit allen Nachfrageaggregaten,
  • Preisentwicklung,
  • Beschäftigung,
  • Lohn- und Gehaltssumme, Lohn pro Beschäftigten,
  • Staatsausgaben, Staatseinnahmen (Steuern, Sozialabgaben)

ermittelt. Jede Maßnahme wird einzeln gerechnet und sowohl im Vergleich zu einem Referenzlauf als auch in ihrer Entwicklung über die Zeit dargestellt.

So berechnen wir die Szenarien:

In den Projekten arbeitet SERI mit der GWS Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) zusammen, die in den letzten drei Jahrzehnten eine Reihe von makroökonomischen Modellen entwickelt hat.

Das Atom-Ausstiegsszenario wird mit dem Weltmodell GINFORS (Global Interindustry Forecasting System) quantifiziert, das zur Analyse internationaler und weltwirtschaftlicher Fragestellungen bereits seit 1995 entwickelt worden ist. Das Modell ist dazu geeignet, die globale wirtschaftliche Entwicklung und die Belastung der Umwelt in Jahresschritten bis zum Jahr 2050 zu simulieren. Dies gilt insbesondere im Hinblick auf

  • die Entwicklung der 35 Wirtschaftsbereiche in 38 Ländern und in einer Region „Rest of World“,
  •  internationale Handelsströme für die 59 Produkte,
  • daraus resultierende Auswirkungen auf die zentralen makro-ökonomischen Aggregate der Länder (z.B. Staatsverschuldung, verfügbare Einkommen der privaten Haushalte),
  • Emissionen, die sich aufgrund des Einsatzes von 28 Energieträgern ergeben sowie
  • die weltweite Nachfrage nach Ressourcen (inkl. Wasserbedarf und der landwirtschaftlichen Bodennutzung).

Die Szenarien für ein nachhaltiges Österreich werden mit dem Modell e3.at analysiert, das SERI und die GWS in enger Zusammenarbeit entwickeln. e3 steht für Economy – Energy – Environment (Wirtschaft, Energie, Umwelt) und soll in Zukunft zu e5 (ergänzt um Employment – Equity, also Beschäftigung und Verteilungsgerechtigkeit) ausgebaut werden, alles Themen, die eine wichtige Rolle in Bezug auf die Erreichung einer nachhaltigen Entwicklung spielen.

e3.at kann politische AkteurInnen bei der Wahl von geeigneten Instrumenten und Maßnahmen unterstützen, indem es die systematischen Zielkonflikte zwischen unterschiedlichen Indikatoren (Wirtschaftswachstum, Einkommen, Beschäftigung, Material- und Energieverbrauch, CO2-Emissionen etc.) in einem konsistenten Rahmen betrachtet und quantifiziert. Die dynamische Ausrichtung des Modells erlaubt es, Szenarien für unterschiedliche Politikmaßnahmen zu simulieren und deren Effekte für einzelne Branchen, Haushalte, oder auch die Gesamtwirtschaft über einen Zeitraum von 15 bis 20 Jahren im Voraus abzuschätzen.

Selbstverständlich sind Modelle wie GINFORS und e3.at keine Glaskugeln, die Ereignisse wie den Fall der Berliner Mauer oder die Wahl von Donald Trump zum amerikanischen Präsidenten prognostizieren können. Die Stärken solcher Computermodelle liegen vielmehr darin, dass sie die grundlegenden ökonomischen Entwicklungen und daraus resultierende Umweltwirkungen und Handlungsspielräume beschreiben.

Mit ihrer Hilfe lassen sich auch die Wirkungen von verschiedenen sozio-ökonomischen Instrumenten und Maßnahmen verstehen, zum Beispiel Steuern und Subventionen. Dabei geht es um direkte wie indirekte Folgen sowie auch um nicht gewollte (Bumerangeffekt), wie sie für komplexe Systeme charakteristisch sind. Die Modellierung hilft dabei, maßgeschneiderte policy mixes für die entwickelten Szenarien zu entwickeln.