Zukunftsfähigkeit und Neoliberalismus
Zur Vereinbarkeit von Umweltschutz und Wettbewerbswirtschaft

Rezension der Süddeutschen Zeitung vom 19. Juli 1999

Ökologen und Neoliberale arrangieren sich
Wie Umweltschutz und Wettbewerb miteinander vereinbar sind.

ZUKUNFTSFÄHIGKEIT UND NEOLIBERALISMUS. Zur Vereinbarkeit von Umweltschutz und Wettbewerbswirtschaft. Andreas Renner und Friedrich Hinterberger Hrsg., Nomos Verlagsgesellschaft, Baden-Baden 1998, 507 Seiten, 138 DM.

Die Vertreter zweier Institute mit un-terschiedlichen Philosophien, des ordoliberalen Walter Eucken Instituts sowie des Wuppertal Instituts für Klima, Um-welt, Energie, nebst einigen unabhängigen Wissenschaftlern, bemühen sich in diesem Buch um einen wichtigen Hinweis, der Fehlurteile korrigieren soll. Ihre These heißt: Ökologische Zukunftsfähigkeit ist auch in einer freiheitlichen, auf Wettbewerb basierenden Wirtschafts- und Sozialordnung zu erreichen.
Dabei setzt Ernst Ulrich von Weizsäcker (Wuppertal) schon im ersten von etwa dreißig Beiträgen einen wichtigen Markstein: "Zukunftsfähigkeit hat drei Dimensionen - es geht um die Errei-chung und Vereinbarkeit wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Ziele." Und er nennt Lösungsperspektiven, die hier nur stichwortartig genannt werden können: l. Stärkung und Fortentwicklung internationaler Verträge gegen Raubbau, z. B. Klimaschutz, Artenschutz, Antarktisschutz. 2. Stärkung quasi-demokratischer, weltweit wirksamer Gegenkräfte gegen die reine Renditeorientierung. Dabei meint er unter anderem Amnesty International, Greenpeace, den World Wildlife Fund (WWF), aber auch die Kirchen, Wissenschaftsverbände und andere Gruppen als Gewissen und Aufpasser gegenüber Unrecht. 3. Abbau von ökologisch schädlichen Subventionen. 4. Regulierung der internationalen Finanzmärkte. 5. Anreize für die Erhöhung der Ressourcenproduktivität. Eine international vereinbarte, aber national organisierte ökologische Steuerreform, die den Naturverbrauch beim Endverbraucher jährlich um rund fünf Prozent belasten würde, hielte er für ideal.
"Die Globalisierung hebelt die Demokratie aus", oder "Das Kapital hat es endlich geschafft, keiner anderen Autorität mehr ernstlich unterworfen zu sein als dem Diktat der Selbstvermehrung." Dies muß allerdings im Zusammenhang gelesen werden. Dann spürt man nämlich immer wieder, daß sich Weizsäcker um die Kombination von Markt und Demokratie als den beiden Grundlagen des westlichen Gesellschaftsmodells sorgt. Gegliedert ist das Buch in fünf Teile: Einleitung, Theorienstreit, Wettbewerb und Kooperation, Ökologische Leitbilder in der komplexen Gesellschaft und Institutionelle Reformen. Man riecht hier schon ein bißchen die auch theoretische Ausrichtung - insgesamt keine leichte Lektüre. Friedrich Hinterbergers (Wuppertal) Kapitel: "Leitplanken, Präferenzen und Wettbewerb - Grundlagen einer ökonomischen Theorie ökologischer Politik" ist eine Schlüsselstelle des Werkes.
Bei Aufeinanderfolge und Abstimmung der Beiträge muß man wissen, daß sie im Rahmen eines gemeinsamen Symposiums beider Häuser entstanden. Seinerzeit - im Herbst 1997 - stand im Mittelpunkt die Wuppertaler Studie "Zu-kunftsfähiges Deutschland".
Vor diesem Hintergrund fragt Andreas Renner (Eucken Institut) ob die Grundausrichtungen der beiden Institute zwei "gegensätzliche Welten" seien und zeigt dann einen gemeinsamen Weg auf: "Während die Studie des Wuppertaler Instituts neue Wege für zukunftsfähige Wirtschafts- und Lebensstile aufzeigt, aber wenig zu deren Umsetzbarkeit aussagt, ermöglicht der ordoliberale Ansatz der Freiburger Schule eine ordnungsökonomische Fundierung der Wup-pertaler Ideenwelt." Volker Wörl


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