Zur Vereinbarkeit von Umweltschutz und Wettbewerbswirtschaft
Andreas Renner/Friedrich Hinterberger
(Hrsg.)
Weitverbreitet ist die Auffassung, Zukunftsfähigkeit sei in einer
freiheitlichen, auf Wettbewerb basierenden Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung
nicht zu erreichen. Eine gemeinsame Tagung des Walter Eucken Institut
(Freiburg) und des Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie
setzte sich kritisch mit dieser These auseinander.
Die Beiträge des Tagungsbandes
zeigen, daß der behauptete Zielkonflikt zwischen Umweltschutz
und Wettbewerbswirtschaft einer verengten, oftmals ideologisch geprägten
Sicht entspringt. Gerade um auf einen nachhaltigen Entwicklungspfad
zu gelangen, bedarf es eines institutionell abgesicherten
Wettbewerbs der Ideen: auf den Märkten, in der Politik, der Wissenschaft
und der Bürgergesellschaft. Denn in den komplexen Gesellschaften
der heutigen Zeit lassen sich Ziele nicht einfach »von oben«
durch »die Politik« verordnen.
Besondere Aufmerksamkeit verdienen
die Resultate des Bandes auch deshalb, weil hier mit dem in der ordoliberalen
Tradition stehenden Walter Eucken Institut und dem Wuppertal Institut
für Klima, Umwelt, Energie, das interdisziplinär Leitbilder
ökologischer Lebens- und Wirtschaftsstile entwickelt, zwei Institute
zusammengefunden haben, die unterschiedliche Forschungsansätze
vertreten.
Zielgruppe
Politiker, Verbände
aus den Bereichen Umwelt und Wirtschaft, Wissenschaftler, an Zukunftsfragen
Interessierte, insbesondere Journalisten
Aus dem Inhalt
TEIL 1: EINLEITUNG
Ernst Ulrich von Weizsäcker
Zukunftsfähigkeit und Wettbewerb: fünf Thesen
- Einführung
- Wettbewerb ist eindeutig das überlegene
gesellschaftliche Ordnungsprinzip
- Wettbewerb alleine führt zu einer
Beschleunigung der Naturzerstörung
- Eine rapide Erhöhung der Ressourcenproduktivität
ist Voraussetzung für Zukunftsfähigkeit
- Die Globalisierung hebelt die Demokratie
aus
- Lösungsperspektiven sind vorwärts,
nicht rückwärts zu finden
Paul Klemmer / Dorothee Becker-Soest
/ Rüdiger Wülk
Leitstrahlen, Leitbilder und Leitplanken - Ein Orientierungsfaden für
die drei großen "L" der Nachhaltigkeitspolitik
- Die drei großen "L": Synonyme
für unterschiedliche Vorstellungen über die Rolle des
Wettbewerbs in der Nachhaltigkeitspolitik
- Aufgabenstellungen einer zukunftsfähigen
Gesellschaft
- Die Strategie der Zähmung: Einengung
des Wettbewerbs durch Vorgabe eines Leitstrahls und resultatsbezogener
Leitbilder
- Die Strategie der Befreiung: Ausweitung
wettbewerblicher Kräfte durch variable Leitplanken
- Schlußbemerkungen
Friedrich Hinterberger
Leitplanken, Präferenzen und Wettbewerb - Grundlagen einer ökonomischen
Theorie ökologischer Politik
- Einführung
- Sustainability als gesellschaftliches Ziel:
eine Konkretisierung
- Internalisierung vs. Dematerialisierung:
eine Kontroverse?
- Ökologische Leitbilder, individuelle
Präferenzen und die Politik
- Ökologische Leitplanken: ein umweltpolitischer
Ordnungsrahmen
Andreas Renner
"Zukunftsfähiges Deutschland" und Ordoliberalismus der
Freiburger Schule - zwei gegensätzliche Welten?
- Die Nachhaltigkeitsdebatte im Zeichen des
"Konflikt-Paradigmas"
- Die Studie "Zukunftsfähiges Deutschland"
- Unterbelichtung ordnungsökonomischer Aspekte.'
- Zukunftsfähigkeit in der Konzeption
der ordoliberalen Freiburger Schule
- Zukunftsfähiges Deutschland und Ordoliberalismus
der Freiburger Schule - eine Synthese
TEIL II: THEORIENSTREIT
Gerhard Schick
Die dritte Säule: Nachhaltigkeit aus kommunitarischer Sicht
- Der Kommunitarismus als Teil der Nachhaltigkeitsdebatte
- Übereinstimmung der Lösungsvorschläge
- Der kommunitarische Beitrag zur Nachhaltigkeitsdebatte
- Schlußbemerkung
Gerhard Engel
Zukunftsfähig? Kritische Anmerkungen zur politischen Ökologie
- Vom Altern der Ökologiebewegung
- Zur naturwissenschaftlichen Kritik der
politischen Ökologie
- Zur politischen Ökonomie politischer
Ökologen
- Zur Politikwissenschaft politischer Ökologen
- Das kommende Jahrhundert der Ökonomik
Gerhard Maier-Rigaud
Folgen des Neoliberalismus für Beschäftigung und Umwelt
- Dogmatisierungen
- Beschäftigungspolitik in einer heuristischen
Modellwelt
- Umweltpolitik zwischen Kosten und Präferenzen
- "Neoliberale" Synergien
- Der Freiburger Imperativ, die Keynessche
Botschaft und die Vision von Rio
- Literatur
Horst Heginann
Wissenssoziologische Aspekte der Verfassungsökonomik - Das Beispiel
der Nachhaltigkeitsdebatte
- Konstitutioneller Fortschritt und Situationsanalyse
- Forschungsprogramme und ihre sozial konstruierte
Wirklichkeit
- Unterschiedliche Forschungsprogramme im
Streit um Nachhaltigkeit
Konklusion
TEIL III: WETTBEWERB UND KOOPERATION
Andreas Suchanek
Nachhaltigkeit und Wettbewerb
- Einleitung
- Das Verhältnis von gemeinsamen und
konfligierenden Interessen
- Das Verhältnis von Wettbewerb und
Nachhaltigkeit
- Schlußbemerkung
André Habisch
Die Konkurrenz der konkurrenzfreien Räume: Sozialkapital und die
Zukunftsfähigkeit moderner Gesellschaften
- Umweltgruppen als Sozialkapital moderner
Gesellschaften
- Die Qualität von Sozialkapital: Informationsverarbeitungskompetenz
- Konkurrenz der konkurrenzfreien Räume?
- Leistungen und Grenzen demokratischer 'Gesellschaftsordnungspolitik'
Uwe Gerecke
Wettbewerb, multinationale Unternehmen und die Durchsetzung, moralischer
Standards im Zeitalter der Globalisierung
- Wettbewerb und die Notwendigkeit von Ordnungsinstanzen
- Wettbewerbsstrategien und moralische Standards
- Zusammenfassung
Gerhard Wegner
Kooperative Politikverfahren als nicht-kooperatives Spiel: Eine ordnungspolitische
Bewertung
- Einleitung
- Innere Institutionen als Informationsvermittler
zwischen Politik und Marktakteuren
- Kooperative Politikverfahren als nicht-kooperatives
Spiel
- Wirtschaftspolitische Implikationen
- Schlußbemerkung
Klaus Rennings / Karl Ludwig
Brockmann / Heidi Bergmann
Freiwillige Selbstverpflichtungen: Eine ordoliberale Kritik korporatistischer
Umweltpolitik
- Einführung
- Freiwillige Selbstverpflichtungen und Ordnungspolitik
- Wahl der Entscheidungsebene und Entscheidungsprozeß
- Zielkonformität
- Systemkonformität
- Ökonomische Effizienz
- Institutionelle Beherrschbarkeit
- Fazit
TEIL IV: ÖKOLOGISCHE LEITBILDER
IN DER KOMPLEXEN GESELLSCHAFT
Raimund Bleischwitz
Können Leitbilder laufen lernen? - Zum Wandel ökonomisch-technisch
geprägter Systeme über Leitbilder und Kommunikationsprozesse
- Lernfähigkeit und Netzwerke nach der
Iruiovationsökonomik
- Paradignien und Phasenübergänge
nach der evolutorischen Ökonomik
- Historische Perspektiven und Zivilgesellschaft
nach der Wirtschaftskulturforschung
- Leitbilder als Bestandteil einer erweiterten
Ordnungspolitik
- Fazit
Joachim H. Spangenberg
Systeme zwischen Evolution, Trägheit und technischer Beschleunigung
- Der Grundkonflikt
- Charakteristika komplexer Systeme
- Zum Umgang mit komplexen Systemen
- Fazit
- Literatur
Christian Sartorius
Wettbewerb, Verhaltensvielfalt und Nachhaltigkeit
- Einleitung
- Die Evolution von Verhalten
- Dynamische Aspekte des Verhaltens
- Einfluß der Kultur auf Denken und
Handeln
- Kapitalismus und Verhaltensvielfalt
- Verhaltensdynamik und der Verlust von Nachhaltigkeit
- Fazit
Arnold Berndt
Geteilte Güternutzung - ökologisches Wunschdenken oder ökonomisch
vorteilhafte Strategie?
- Einleitung
- Die geteilte Nutzung von Gütern als
zukunftsfähiges Konsummuster
Transaktionskostentheoretische Betrachtung
- Schlußfolgerungen: Geteilte Güternutzung
und ordnungspolitischer Handlungsbedarf
Martin Baumert
Durch Wettbewerb zu nachhaltigen Konsum- und Nachfragestrukturen
- Einleitung
- Die "Effizienzlücke"
- Erklärungsansätze für die
Effizienzlücke
- Maßnahmen zur Überwindung der
Effizienzlücke
- Schlußfolgerungen
TEIL V: INSTITUTIONELLE REFORMEN
Jochen Tscheulin / Peter Henning
Feindt / Hans-Peter Meister/Jürg Minsch / Uwe Schneidewind
Institutionelle Reformen für Suchprozesse in Richtung Nachhaltigkeit
- Nachhaltigkeit - Von der Management- zur
Prozeßorientierung
- Institutionelle Reformen zur Veränderung
der Anreizstruktur
- Vier Strategien institutioneller Reformen
- Institutionelle Reformen als polyzentrischer
Wandlungsprozeß
Gertrude Lübbe-Wolff
Zielorientierte Umweltpolitik - Probleme der rechtlichen Steuerung
- Begrenzte Steuerungsfähigkeit rechtlicher
Zielvorgaben
- Umweltplanung
Helmut Karl
Induziert föderalistische Umweltpolitik ein Wettbewerbsversagen?
- Föderalistische Defizite der Umweltpolitik
- Effizienzfördernde Wirkung des Umweltföderalismus
- Versagt der Wettbewerb zwischen Gebietskörperschaften?
- Fazit
Thomas Döring
Möglichkeiten der Dezentralisierung im Bereich globaler Umweltprobleme
- Das Beispiel des Natur- und Artenschutzes in Deutschland
- Einführung in die Problemstellung
- Die Ausübung naturschutzpolitischer
Kompetenzen aus normativer Sicht: Sollen naturschutzpolitische Zuständigkeiten
dezentralisiert werden?
- Die Ausübung naturschutzpolitischer
Kompetenzen aus institutioneller Sicht: Können naturschutzpolitische
Zuständigkeiten dezentral
wahrgenommen werden?
- Die Ausübung naturschutzpolitischer
Kompetenzen aus politökonomischer Sicht: Wollen dezentrale
Einheiten naturschutzpolitische Zuständigkeiten wahrnehmen?
Marcus Stewen
Eine unabhängige Institution für die Umweltpolitik?
- Eine unabhängige Institution für
die Umweltpolitik?
- Mögliche Zielvorgaben und Instrumente
einer unabhängigen Umweltbehörde
- Sind die Argumente für eine unabhängige
Notenbank auf die Umweltpolitik übertragbar?
- Demokratietheoretische und ordnungspolitische
Bedenken
- Resümee
Susanne Cassel
Direkte Demokratie, Bürgerpräferenzen und die Rolle von Politikberatung
- Einleitung
- Demokratieversagen und Demokratieerfolg:
Zu den Defekten des politischen Prozesses repräsentativer Demokratien
und möglichen Lösungsansätzen
- Unterschiedliche Bürgerpräferenzen
als Interessen- und Theoriekonflikte
Demokratieerfolg durch direkte Demokratie: Eine ordnungspolitische
Analyse
- Rationale Ignoranz und die Rolle öffentlicher
Diskussionsprozesse in der Demokratie
- Politikerberatung vs. Bürgerberatung:
Zur Rolle der Politikberatung in der Demokratie
- Schlußbetrachtung
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