Blogbeitrag von Fritz Hinterberger

„Die Welt ist voller Lösungen. Mit Kreislaufwirtschaft raus aus dem Abfallwahn(sinn)?!“ Unter diesem Motto lud der CSR Circle gestern (12.03.2019) in die Wiener Labstelle. Rund 100 Menschen sind der persönlichen Einladung gefolgt. Und ich hatte das Vergnügen, gleich zu Beginn gemeinsam mit Christian Plas von der denkstatt die Bühne dafür zu bereiten, bevor dann 7 Beispiele aus allen Wirtschaftsbereichen präsentiert wurden. Was mir bei dem Thema wichtig ist (und sich gerade in unserem Projekt meetPASS wieder zeigt):

Echte Kreislaufwirtschaft ist unabdingbar, wenn es darum geht, die Ziele der Pariser Klimakonferenz und auch die globalen Nachhaltigkeitsziele (SDGs) zu erreichen. Echte Kreislaufwirtschaft ist daher aber kein Ziel an sich, sondern kann und muss einen Beitrag leisten zu einer weitgehenden Dematerialisierung („Faktor 10“), also der Verringerung der durch unseren Konsum verursachten Ressourcenentnahme um 90% auf ein Zehntel des heutigen Werts. Und dabei geht es mitnichten nur um Verpackungen und Einweggeschirr. Dr. Markus Schopf von Borealis hat wieder einmal eindrucksvoll gezeigt, wie Kunststoffe in praktisch allen Konsum- und Produktionsbereichen heute nicht mehr weg zu denken sind. Und es geht auch nicht nur um fossile und nicht-nachwachsende Rohstoffe. Erneuerbare Ressourcen wachsen zwar nach, sind aber umso knapper, je mehr wir auf sie umsteigen. Schließlich wachsen sie auf einer begrenzten Erdoberfläche.

Entscheidend dafür wird auch sein, dass die „Preise die ökologische Wahrheit sagen“, also deutlich merkbare Steuern auf Ressourcen und Treibhausgase erhoben und die Arbeit entsprechend entlastet wird. Natürlich müssen sich auch die Bürgerinnen und Bürger als Konsumentinnen und Konsumenten an der erforderlichen „Ressourcenwende“ beteiligen, damit die Übung gelingt, das Klima noch rechtzeitig zu stabilisieren. Mindestens ebenso wichtig ist aber ihr Einfluss als Wählerinnen und Wähler, die der Politik klarmachen, dass mit einer solchen öko-sozialen Steuerreform auch Wahlen gewonnen werden können.

Damit das Thema aber andererseits etwas vom politischen Tagesgeschäft abgekoppelt werden kann, denken wir gerade über eine Institutionalisierung der Ressourcen- und Klimapolitik nach dem Vorbild der unabhängigen Nationalbanken nach. Mit der klaren und demokratisch legitimierten Aufgabe, Ressourcenverbrauch und Treibhausgase zu reduzieren, ausgestattet mit einem Instrumentarium (z.B. handelbaren Zertifikaten), dann aber unabhängig vom aktuellen politischen Willen. Eine Öko-EZB, sozusagen. Mehr davon bald auf diesem Kanal. Stay tuned.